Gitarren gehören weiterhin zu den besonders beliebten Weihnachtsgeschenken bei Jung und Alt.

Wer zu Weihnachten eine Gitarre verschenken möchte, kann schnell ein paar Fehler machen. Die Freude unterm Tannenbaum währt dann oftmals nur kurz 🙁

Dieser Artikel soll nützliche Hinweise geben, damit wenigtens die gröbsten Schnitzer vermieden werden:

Wie viel muss man ausgeben?

Gitarren werden trotz Automatisierung immer noch zu einem Teil per Hand gearbeitet. Gitarren werden außerdem aus empfindlichen Materialien (dünnen Hölzern) gebaut. Nicht jede fertige Gitarre ist ein Meisterwerk. Im preiswerten Bereich (alles unter 200,00 Euro) fällt die Qualität häufig weit auseinander. Aus diesem Grund ist die Qualitätskontrolle wichtig. Sie wirkt wie ein Filter und lässt die missratenen “Gurken”-Instrumente normalerweise nicht durch.

Wer online eine Gitarre für 50 Euro kauft, kann sicher sein, dass das Instrument keine ernsthafte Qualitätskontrolle durchlaufen hat. Mit viel Glück ist es ein Schnäppchen, es wird aber wahrscheinlicher eine Gurke sein.

Ist man blutiger Anfänger erkennt man den Unterschied nicht einmal 🙁

  • Nach meinen Erfahrungen kostet eine brauchbare Gitarre für Kinder, Jugendliche oder Erwachsene etwa 70 – 120 Euro (Nylonsaiten = Konzertgitarre) und ca. 100 – 150 Euro (Stahlsaiten = Westerngitarre). Dazu kann man noch 50 – 80 Euro für Zubehör rechnen (Tasche, Stimmgerät, Ständer, Ersatzsaiten, Plektren).

Rechtshänder oder Linkshänder?

Als ich früher einen Online-Shop betrieben habe, musste ich öfter Gitarren zurücknehmen, weil bis zur ersten Unterrichtsstunde kein Gedanke an das Thema Linkshändigkeit und Gitarrenspiel verschwendet worden war. Das war ärgerlich für beide Seiten und wäre im Laden nicht passiert.

Es gibt alle Typen von Gitarren (Konzertgitarre, Westerngitarre, E-Gitarre und E-Bass) auch als spezielle Lefthand-Ausführungen. Preislich ist das erfreulicherweise kein großer Unterschied. Allerdings ist die Auswahl an Linkshänder-Instrumenten erheblich reduziert.

Wer beidhändig unterwegs ist, sollte meines Erachtens eine normale Rechtshänder-Gitarre ausprobieren. Der Vorteil, dass man überall spielen kann und nicht stets sein eigenes Instrument dabei haben muss, ist unschlagbar. Wer klar Linkshänder ist, sollte es rechtshändig allerhöchstens mit einer normalen Gitarre kurz probieren, wenn das Instrument ohnehin im Haus vorhanden ist. Aber Achtung ein Umspannen der Saiten (spiegelbildlich) funktioniert nicht, da die Saiten nicht gleich lang sind und außerdem die Kerben, in denen die Saiten verlaufen, danach nicht mehr passen.

Unterschiedliche Korpus-/Körpergrößen

Kinder haben das Problem, dass sie zu große Gitarren nicht bequem mit dem Anschlagarm (in der Regel rechts) umfassen können. Der Arm muss angehoben werden, was die Muskulatur schnell ermüden lässt. Oder aber diese Kinder legen sich die Gitarre schräg oder sogar flach auf den Schoß. Das ist zwar bequem für den Arm, mit dem man anschlägt, aber nun kann die andere Hand (in der Regel links) das Griffbrett nicht mehr von der Rückseite aus umfassen. Kinder brauchen darum kleinere Gitarren:

  • Vorschulalter: 1/4-Größe Konzertgitarre = Kindergitarre
  • 1. Hälfte Grundschule: 1/2-Größe Konzertgitarre = Schülergitarre
  • 2. Hälfte Grundschule: 3/4-Größe Konzertgitarre = Jugendmodell

Die Tabelle ist nur eine grobe Rahmenempfehlung. Es kommt auf jedes Kind einzeln an. Darum ist das Ausprobieren im Laden der Idealfall.

Manchmal kaufen zierliche Frauen ebenfalls kleinere Gitarren wie die 3/4- oder die seltene 7/8-Senorita-Größe. Ein kleinerer Korpus geht physikalisch immer mit Klangeinbußen einher, dennoch kann das sinnvoll sein, wenn die gesamte Haltung so komfortabler ist.

Dann gibt es Männer, die im Laden ihre tellergroßen Hände vorzeigen und wissen wollen, ob überhaupt Hoffnung besteht, mit solchen Pranken das Gitarrenspiel zu erlernen. Antwort: Ja, an großen Händen mit breiten Fingern wird es nicht scheitern. Denn erstens gibt es unterschiedlich breite Gitarren-Griffbretter und zweitens kann man beim Greifen der Saiten auch “schummeln” und z. B. zwei benachbarte Saiten mit nur einem Finger greifen statt mit zweien.

Stahlsaiten oder Nylonsaiten?

Konzertgitarren bzw. Klassische Gitarren sind grundsätzlich mit Nylonsaiten versehen. Das bedeutet, es gibt drei Saiten, die mit versilbertem Draht besponnen sind, aber einen Kern aus Nylonseide haben. Dazu drei Saiten aus Nylon-Monofilament (wie Angelschnur). Westerngitarren dagegen haben Stahlsaiten (vier davon umwickelt, zwei als reine Drähte).

Da die Länge der Saiten bei allen Gitarren für Erwachsene gleich ist (ca. 65 cm), müssen die trägen Stahlsaiten strammer gespannt werden als die leichten Nylonsaiten. Diese zusätzliche Spannung muss vom Gitarristen bewältigt werden, was an den Fingerkuppen eine Zeit lang Schmerzen verursachen wird.

Als Erwachsener hat man die freie Auswahl bzgl. des Saitenmaterials. Ein späterer Wechsel von Stahl auf Nylon oder umgekehrt ist bauartbedingt jedoch nicht mit derselben Gitarre möglich. Man ist also festgelegt. Die meisten Anfänger finden Stahlsaiten schöner klingend. Ich antworte darauf stets, dass Nylon und Stahl einen unterschiedlichen Klangcharakter haben und spiel dazu auf ein paar unterschiedlichen Gitarren vor.

Kinder sollten nur dann auf Stahlsaiten spielen, wenn sie bereits keine Anfänger mehr sind, also schon auf einer Nylonsaiten-Gitarre Spielpraxis sammeln konnten. Dann gibt es noch eine Ausnahme und zwar die E-Gitarre. Auch die E-Gitarre ist mit Stahlsaiten bespannt, diese sind aber sehr dünn und darum wieder nicht so stramm gespannt, dass es an den Fingern allzu sehr wehtut.

Mit der E-Gitarre starten?

Ja, man kann das Gitarrenspiel auch auf der E-Gitarre von null an erlernen. Doch muss man wissen, dass die E-Gitarre nur ein halbes Musikinstrument ist. Ohne speziellen E-Gitarrenverstärker geht hier gar nichts.

Grundsätzlich ist die E-Gitarre sehr leicht zu greifen und typische Spielweisen sind häufig auf den Einsatz von nur 2 Fingern reduziert (man spielt dann auch nur zwei Saiten statt alle sechs). Der Korpus der E-Gitarre ist flach und kann auch von Kindern bequem umfasst werden. Ab ca. 8 Jahren ist der Einstieg auf der E-Gitarre problemlos möglich. Dazu empfehle ich leichte aber normal große Instrumente, sogenannte E-Gitarren des ST-Typs.

Danebengehen kann, dass Kinder mit der Technik überfordert sind und nur eine Menge Krach machen, aber nicht viel oder sogar gar nichts lernen. Sowohl Kinder als auch Erwachsene können sich außerdem mit den erwähnten 2-Finger-Spielweisen lange aufhalten, können dann aber möglicherweise nach ein oder zwei Jahren noch immer kein Lied am Lagerfeuer begleiten. Das ist nicht schlimm, passiert aber nicht, wenn man die Reihenfolge zunächst Akustikgitarre und dann E-Gitarre einhält.

Welche Farbe?

Wenn die Gitarre ein Geschenk zu Weihnachten sein soll, dann empfiehlt es sich bei der Farbe keine Experimente zu machen. Man kauft als Geschenk am besten die üblichen Lackierungen, die eine natürliche Tönung des Holzes vorgeben oder bei besseren Gitarren transparent die natürliche Optik des gebeizten Holzes betonen.

Dennoch, es gibt Gitarren in fast allen denkbaren Farben. Wenn genau bekannt ist, dass ein Kind auf eine rote Gitarre fixiert ist oder der Freundin eine schwarze Gitarre am besten gefallen wird, dann sollte das natürlich berücksichtigt werden. Denn wer später seine Gitarre ohne Wenn und Aber mag, wird intensiver üben und schneller Fortschritte machen.